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Einen deutschen Pass in Schottland beantragen

Das ist schon komisch mit dem Brexit. Ich habe hier noch keinen Briten getroffen, der dafür gestimmt hätte. Oder sie wollen es nicht zugeben – man weiß es nicht. Mit dem Brexit endet jedenfalls die Reisefreiheit für EU-Ausländer. Den Perso kann man dann am Flughafen höchstens noch als Untersetze für den Coffee to go nutzen. Man wird einen Reisepass brauchen. Und mal schauen, welche Bestimmungen sie sich einfallen lassen werden, ins Land reisen und hier leben zu dürfen. Viele hier lebende Ausländer haben jedenfalls Angst, bald rausgeschmissen zu werden. Da mein Personalausweis sowieso dieses Jahr abläuft, dachte ich, beantrage ich doch gleich beides: Perso und Reisepass, und vereinbarte einen Termin beim Deutschen Generalkonsulat hier in Edinburgh.

Alles im Kasten

Vor dem Termin musste ich erst einmal Passfotos machen lassen. Ich bin dafür in ein Einkaufszentrum gefahren. Da gab es einen Fotografen, aber auch so einen Fotokasten, in den man sich hineinsetzen kann. Dieser wurde gerade repariert. Also ging ich zum Fotografen, der sich die Vorgaben für deutsche Passfotos im Internet anschaute und mir dann sagte, ich solle die Brille absetzen, die Haare aus dem Gesicht streichen und bitte nicht lächeln. Heraus kamen Fotos, auf denen ich aussehe, als hätte man mich gerade bei der Darmspiegelung überrascht.

 

Entschlossen, schönere Fotos präsentieren zu können, ging ich Richtung Fotokasten, der wieder freigegeben war. Ich hockte mich hinein, setzte die Brille ab, strich die Haare aus dem Gesicht und lächelte. Ein Blitz - und nichts geschah, außer dass meine 5 Pfund weg waren. Da hatte der Reparaturdienst ganze Arbeit geleistet ... Und ja, ich habe jetzt ein „Darmspiegelungsfoto“ in meinem Pass.

Im Deutschen Generalkonsulat Edinburgh

Zu den Passfotos musste ich noch folgendes organisieren: Kopien von Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Namensänderungsbestätigung, Abmeldung von meinem deutschen Wohnsitz, meinen britischen Adressnachweis und natürlich den alten Perso bzw. Reisepass. Es hätte mich nicht gewundert, wenn sie noch eine Urinprobe und den Nachweis der Angehörigkeit zu einem Hogwarts-Schulhaus verlangt hätten.

 

Das deutsche Generalkonsulat ist in einer Straße, die ein bisschen aussieht wie die Downing Street in London. Da stand ich also, über mir wehten die deutsche und die europäische Flagge, der Bundesadler schaute auf mich herab und es hat alles ein bisschen Eindruck gemacht. Ich klingelte und eine gutaussehende, junge Frau im dunklen Hosenanzug öffnete mir die Tür. Sie trat auf mich zu, schenkte mir ein selbstbewusstes Managerlächeln – und schwäbelte mir eine Begrüßung entgegen. Die Deutsche in mir dachte: "Wie süß! Ja, ja, die verschiedenen Dialekte der Heimat ..." Die Rheinländerin in mir dachte: "Wat is dat dann? Da hätte ich mir den Respekt ja gleich wegschunkeln können!"

 

Nach einer Stunde und 125 Britische Pfund leichter durfte ich dann das „Häusle“ wieder verlassen. In 6 Wochen kann ich sie dann abholen, Perso und Pass, mit einem Foto, auf dem mich bestimmt niemand mehr erkennt. Vielleicht wird der Brexit ja so dafür sorgen, dass ich die einzige bin, die das Land dann nicht mehr verlassen darf …