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Auswandern mit Hindernissen

Man braucht Freunde (und starke Nerven)

1. Station: Inverness

Durch Beziehungen aus meiner Studienzeit war ich erst in einer kleinen WG in Inverness gelandet. Man sagte mir, es sei momentan die am schnellsten wachsende Stadt in Europa, die Zeichen stünden auf: Wandere hierhin aus, ist gerade günstig! Ich musste allerdings feststellen, dass der Lockruf vor allem Bauarbeitern und Elektrikern galt. Da ich mich in beiden Rollen eher ungeschickt anstelle, machte ich mich Richtung Edinburgh auf. Dort ist der Jobmarkt dann doch etwas flexibler. Zudem habe ich da schon Kontakt zu anderen Deutschen und komme mir dort in meinem Verlangen nach Currywurst nicht ganz so einsam vor.

2. Auf dem Weg nach Süden

Ein schottischer Freund hat mir gesagt, ich könne eine Weile im Wohnwagen seiner Schwiegereltern wohnen. Als ich mich bereits auf dem Weg Richtung Süden befand, kam dann die Botschaft: Der Wohnwagen ist leider doch schon vergeben. Shit happens ...

3. Kurz vorm Aufgeben

Ich hatte mich dann erst mal für drei Tage in einem Hotel im Nirgendwo nahe Edinburgh eingebucht und dachte: Das war`s! Versunken in die Hotelbett-Matratze auf pieksenden Sandwich- und Kekskrümeln wollte ich nie wieder ans Tageslicht treten.

 

Ich sammelte meine Energie und telefonierte, smste und facebookte, was das free WiFi hergab. Am letzten Tag im Hotel dann zwei gute Nachrichten: Ich wurde eingeladen, mir ein WG-Zimmer in Edinburgh anzugucken, und eine Freundin eines Freundes bot mir in einem Dorf nahe St Andrews ihr leerstehendes Haus zur Zwischenmiete an.

Und so zog ich dann weiter nach Cupar, wo ich einen Monat lang in einem leeren Haus die Stille und mich selbst ertragen musste - eine Art unfreiwilliges, buddhistisches Retreat, wenn man es so will. Es war eine der härtesten Phasen meines Lebens. Denn die Begegnung mit dem Selbst, ohne jegliche Ablenkung, erfordert Mut, wie wir aus "Die Unendliche Geschichte" oder auch aus "Star Wars" wissen. Gut, Darth Vader mit meinem Gesicht bin ich nun nicht begegnet, aber Selbsterkenntnis kann manchmal ganz schön hart sein.